Auf den Spuren der Himmelsscheibe

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Besucherzentrum Arche Nebra, Foto: A. Stedtler
Besucherzentrum Arche Nebra, Foto: A. Stedtler

Himmelfahrt 2017 stand vor der Tür, was lag näher als die freien Tage draußen auf dem Rad zu verbringen. Der Himmelsscheibenradweg bot sich förmlich an, zumal wir ihn auch schonmal gefahren waren (allerdings in die andere Richtung). Die rund 70 Kilometer von Halle (Saale) bis Nebra waren uns aber für die zur Verfügung stehenden 4 Tage zu kurz. Wir ergänzten diese Tour also noch um einen Teil des Unstrut-/Saale-Radweges von Nebra über Laucha, Freyburg, Naumburg bis nach Weißenfels. So kamen 133 Kilometer zusammen, die man gut in 33 Kilometer-Häppchen einteilen konnte – perfekt für Ragna.

Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als einer der bedeutendsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts und weltweit als älteste Abbildung des Kosmos. Im Sommer 1999 wurde sie von Grabräubern illegal ausgewühlt, seit Mai 2008 ist sie im Landesmuseum für Vorgeschichte in der Saalestadt Halle zu sehen. Der Himmelsscheibenradweg verbindet den Fundort der Scheibe mit ihrem heutigen Ausstellungsort.

  • Reisezeit: Mai 2017, 4 Tage
  • Distanz: etwa 133 km
  • Anreise: von Leipzig aus mit der Regionalbahn nach Halle
  • Route: Halle – Süßer See – Querfurt – Nebra – Freyburg – Weißenfels – Leipzig

Halle (Saale) – Seeburg

Unser Zug nach Halle verlässt den Leipziger Hauptbahnhof an diesem heiteren Frühsommertag zeitig am Morgen. In etwa 30 Minuten bringt uns die S-Bahn von der Bach- in die Händel-Stadt. Angekommen in Halle kaufen wir uns ein leckeres 2. Frühstück, fahren ein bisschen in westliche Richtung aus der Stadt raus und verspeisen es genüsslich auf einer schattigen Bank. Gut gestärkt und hochmotiviert passieren wir Halles Neubauviertel »Neustadt«. Wir durchfahren das Waldgebiet »Dölauer Heide« und erreichen über Lieskau und Benkendorf in Zappendorf eine Raststelle für eine »mittägliche« Stärkung.

Himmelsscheibenradweg bei Lieskau

Weiter führt uns der Weg durch die naturbelassenen Auen des Naturschutzgebietes Langenbogen. Im gleichnamigen Ort gibt’s eine Eispause und wir beobachten amüsiert leicht angetrunkene und lauthals singende Männergruppen auf ihren Himmelfahrtsausflügen. Als Kerner- und Bindersee an uns vorüberziehen, erreichen wir Seeburg.

Himmelsscheibenradweg bei Langenbogen

Den Campingplatz Seeburg am Süßen See kennen wir bereits, u.a. vom Treffen radreisender Familien der Familie Hartje aus Halle. Der Platz liegt direkt am Süßen See hat gut gepflegte Sanitäranlagen, einen Spielplatz, eine schön Zeltwiese und dazu noch moderate Preise. Während sich Ragna auf dem Spielplatz vergnügt, koche ich die obligatorischen Nudeln zum Abendbrot. Nach dem Essen kuschelt sich Ragna mit einem Hörspiel in ihren Schlafsack und ist gesättigt von frischer Luft und Bewegung schnell eingeschlafen.

Süßer See

Seeburg – Hermannseck

Der nächste Morgen beginnt genauso sonnig und heiter wie der vorherige Tag endete. Nach obligatorischem Frühstück, Abbau und Bezahlen umrunden wir zur Hälfte den Süßen See in östlicher Richtung, passieren dabei wieder Seeburg und halten uns in Aseleben südlich in Richtung Röblingen am See. Die leider recht stark befahrene L176 führt dabei durch den ehemaligen Salzigen See – dank des FollowMe ist diese Passage für Ragna zum Glück kein Problem. Vorbei an den Felswerken in Schraplau geht’s ins schöne aber auch »anstrengende« Kuckenburg. Anstrengend weil dieser Ort mit einer kurzen aber knackigen Kopfsteinpflaster-Steigung aufwartet. Trotz Mittagshitze »erklimmen« wir das »Hügelchen« und genießen den weiten Blick übers Land.

Oberhalb des Kopfsteinpflasteranstieges in Kuckenburg

Nächste Station: Querfurth. Dort genießen wir Pizza und Eis beim Italiener. Ragna erkundet ausgiebig die Brunnenanlage, das macht ihr sichtlich Spaß und ich bin schon vom reinen Zusehen erfrischt.

Pause in Querfurt

Das Bächlein Querne führt uns westlich aus Querfurth heraus in Richtung Leimbach. Dort verpassen wir den Abzweig und landen auf einem idyllischen aber nicht gut befahrbaren Wiesenweg. Das Gras ist »kniekehlenhoch« und ich rechne fest damit bei der allabendlichen Zeckensuche auf eines dieser Tierchen zu stoßen. Letztendlich schieben wir die 3-Kilometer-Passage und erreichen kurze Zeit später den Campingplatz Hermannseck.

Der »kleine verschlafene und privatbetriebene Campingplatz« ist wie eine Zeitreise in die ehemalige DDR. Die Gaststätte ist verlassen, ein trauriges Schild am Eingang informiert nur noch über ihre Schließung. Die sanitären Anlagen sind zweckmäßig und sauber, aber in die Jahre gekommen. Die Information ist geschlossen, nur eine Handynummer, unter der auch für den Rest des Tages niemand zu erreichen ist, ist zu sehen. Wir platzieren unser Zelt einfach auf der Zeltwiese. Von unserem letzten Besuch weiß ich, dass man bei der Anmeldung die Türklinke fürs Sanitärgebäude erhält. Unser Taschenmesser ersetzt den fehlenden Türgriff, sodass wir uns den Zugang (mehr oder weniger legal) erschleichen können. Nun haben wir alles, ein Dach über dem Kopf und Trinkwasser. Wir kochen uns was und schlafen später müde und zufrieden ein. Am nächsten Morgen bekommen wir doch noch Besuch vom Campingplatzwart und können unsere Schuld begleichen.

Campingplatz Hermannseck

Hermannseck – Kirchscheidungen

Durch den schattigen Ziegelrodaer Forst fahren wir weiter Richtung Nebra. Vorher biegen wir aber noch zum Mittelberg ab. Wir möchten den Fundort der Himmelsscheibe besuchen. Dort gibt es unter anderem einen Aussichtsturm, der als überdimensionale Sonnenuhr dient und bei gutem Wetter einen Ausblick bis zum Kyffhäuser und zum Harz bietet.

Aussichtsturm Mittelberg

3 Kilometer später erreichen wir das Besucherzentrum Arche Nebra, welches neben der Dauerpräsentation auch ein Planetarium und Sonderausstellungen bereithält. Die 300m² große Dauerausstellung erzählt vieles zur Geschichte der rätselhaften Himmelsscheibe und ist mit etlichen Ausstellungselementen auch hochinteressant für Kinder. Ragna ist fasziniert von der Filmvorführung im Planetarium, auch wenn sie die komplexen astronomischen Zusammenhänge noch nicht gänzlich versteht. Trotz alledem klingt das Thema bei Ragna lange nach: wir unterhalten uns noch lange über Sonnenstand, Mondphasen, Jahreszeiten und Jahreslauf.

Blick vom Besucherzentrum Himmelsscheibe Nebra

Nach dem Mittagsessen fahren wir weiter nach Nebra. Wir haben den Himmelsscheibenradweg verlassen und folgen von nun an der Unstrut. Unser heutiges Ziel erreichen wir nach weiteren flachen und asphaltierten 18 Kilometern. In Kirchscheidungen gibt es einen schönen Campingplatz direkt an der Unstrut (dort kann man sogar in Indianer-Tipis übernachten). Wir genießen einen wahrhaft goldenen Sommerabend, machen uns Essen und beobachten Paddler wie sie lautlos auf der Unstrut dahingleiten. Als die Sonne glutrot am Horizont verschwindet, verschwinden auch wir in unseren Schlafsäcken.

Aktivcamp & Tipidorf Kirchscheidung

Kirchscheidungen – Weißenfels

Pferde zwischen Freyburg und Blütengrund

Der letzte Tag unserer kleinen Fahrradtour bricht an. Bis zum Zielpunkt Weißenfels erwarten uns etwa 40 Kilometer gut asphaltierter Radweg im schönen Unstrut-Tal. Unterwegs treffen wir Ragnas Oma, die einen Tagesausflug an Unstrut und Saale macht. Unser »3-Generationen-Tross« passiert Freyburg, den Blütengrund (Zusammenfluss von Saale und Unstrut) und erreicht schließlich die Henne, ein Ausflugslokal welches wir immer besuchen wenn wir in dieser Region sind. Gut gestärkt gleiten wir die restlichen 18 Kilometer an der Saale nach Weißenfels nur so dahin. Am Nachmittag sind wir bereits am Ziel angelangt und haben eigentlich keine Lust bei diesem schönen Wetter in den Zug Richtung Leipzig zu steigen. Wir verlängern die Tour spontan und hängen die 30 Kilometer bis nach Leipzig hinten dran. Ragna »hängt« seit einen Sturz kurz vor Weißenfels ohnehin schon im FollowMe, die spontane Erweiterung der Tour ist somit kein Problem. In Lützen brauchen wir dann aber doch noch eine Eis- und Trinkpause. Erschöpft aber zufrieden erreichen wir nach diesem »70-Kilometer-Tag« unsere Heimatstadt Leipzig.

Fazit

Kurz und gut: eine schöne Tour, die perfekt in ein verlängertes Wochenende passt und einem ganz nebenbei den Bildungshorizont zum Thema Astronomie erweitert.

2 KOMMENTARE

  1. Das ist ja ein toller Bericht! Hut ab, mit Kind auf dem Himmelsscheibenradweg – nicht ganz ohne. Aber sehr schön! Campingplatz Hermannseck, nun ja. Aber hat ja dann doch alles geklappt. Vielen Dank für den Bericht und den Tourenvorschlag, den wir gern unseren Besuchern auf Facebook u.a. weiterleiten! Und Grüße vom Team der Arche Nebra 🙂

    • Vielen Dank für die Blumen! 🙂 Ich finde den Himmelsscheibenradweg für Kinder optimal (wenn auch nicht komplett an einem Tag). Wie ich schon schrieb hat es den positiven Nebeneffekt, dass man noch was lernt.
      Und wenn die Ansprüche nicht zu hoch sind, kann man gegen den Campingplatz Hermannseck prinzipiell auch nichts sagen.

      Viele Grüße aus Leipzig!
      David

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