Wir haben auf Radreisen noch nie wild gezeltet. Die aktuellen Umstände und die Aussicht auf zwei warme Tage vor Ostern zwangen uns daher zu dieser Premiere. Auch wenn wir auf unserem ersten Stellplatz erwischt worden sind, so gab es für diese Tour dennoch ein „Happy End“.

  • Reisezeit: 2 Tage
  • Distanz: etwa 94 km
  • Route: Leipzig – Lützen – Hohenmölsen – Mondsee – Reuden (Elsteraue) – Groitzsch – Pegau – Leipzig

Knospen
Knospen

Der Drang nach dem langen, kalten „Lockdown-Winter“ war groß, endlich mal wieder rauszukommen. Doch eins war klar: wollten wir mehrere Tage unterwegs sein, blieb uns nichts anderes übrig als wild zu zelten. Zeltplätze sind im Frühjahr 2021 deutschlandweit nachwievor geschlossen – zumindest für Spontanreisende mit Zelt. Beim Thema „Wild-Zelten“ bewegt man sich in Deutschland allerdings auf unsicherem Terrain – es ist bis auf wenige Ausnahmen nicht gestattet. Dazu kommt noch, dass es für jedes Bundesland unterschiedlich Regeln gibt.

Der Wetterbericht versprach warme 20 °C am Tag und minimal 5 °C in der Nacht – perfekt für eine erste Übernachtung im Freien.

Der Plan war eine schöne, kleine Tour zum Mondsee bei Hohenmölsen. Dort wollten wir direkt am See übernachten und am nächsten Tag über die Elsteraue entlang der Weißen Elster zurück nach Leipzig fahren. Der Wetterbericht versprach warme 20 °C am Tag und minimal 5 °C in der Nacht – perfekt für eine erste Übernachtung im Freien.

2 Fahrräder auf dem Elster-Saale-Radweg
Unsere Räder auf dem Elster-Saale-Radweg

Wir begannen unsere Tour mit einer uns vertrauten Strecke, dem Elster-Saale-Radweg Richtung Lützen. Die Sonne war bereits am Vormittag sehr kräftig, aber die Natur war noch im Dornröschenschlaf. Hier und da lugten grüne Triebspitzen aus den Feldern hervor und die Knospen der Bäume waren kurz davor aufzubrechen.

Wir fuhren durch kleine Wäldchen und verlassene Dörfer.

Kurz vor Rippach verließen wir den Elster-Saale-Radweg und bogen nach Süden Richtung Hohenmölsen ab. Es wurde jetzt schon spürbar hügeliger, tendenziell ging es bergauf. Wir fuhren durch kleine Wäldchen und verlassene Dörfer. Hohenmölsen streiften wir nur südlich und rasch erreichten wir mit dem Mondsee unser Tagesziel.

Radweg Richtung Hohenmölsen
Radweg Richtung Hohenmölsen

Noch wenig „wild-camping-erfahren“ suchten wir uns direkt am Wasser ein ruhiges Plätzchen, schön versteckt im Schilf. Gesagt, getan, an einem solchem Ort schlugen wir unsere Heringe in die Erde, richteten das Zelt ein und machten es uns gemütlich.

ein Zelt zwischen Schilf an einem Seeufer
unser Zelt, versteckt zwischen Schilf am Mondsee

…also ich will nüschd gesehen haben …

Es dauerte aber keine 2h, da war es vorbei mit der Stille. Ein Mann auf einem Quad hielt neben unserem Lager und fragte uns ob wir Angler seien. Als ich dies verneinte erwiderte er, dass wir uns hier mit einem Zelt nicht hinstellen dürften. Und wenn dann nur mit einem bodenlosen Zelt. „Ich habe nichts gesehen“, sprach er weiter, „aber wenn ‚der Naturschutz‘ euch erwischt dann holt der sofort die Polizei.“. Ich erwiderte, dass mir das bewusst sei, Wildzelten sei ja generell nicht erlaubt. „Warum zeltet ihr nicht auf dem Campingplatz?“ fragte er. Als ich ihm erklärte, dass dieser aus Gründen nicht in Betrieb sei und ihn nach einem alternativen Stellplatz fragte nickte er nur stumm. Er wiederholte nochmal mahnend „…also ich will nüschd gesehen haben …“ und verschwand.

Ein Zelt zwischen Schilf an einem Seeufer
Unser Zelt zwischen Schilf am Mondsee

Unsere Wildcamping-Premiere hatten wir uns wahrlich anders vorgestellt.

Ragna, die das ganze Gespräch im Zelt mitverfolgen konnte, war natürlich sehr verunsichert. Wenn ich allein unterwegs gewesen wär, hätte ich’s riskiert und wäre geblieben. Ich beruhigte zunächst Ragna und wir vereinbarten zum nächsten Bahnhof zu fahren und den nächsten Zug nach Leipzig zu nehmen. Der nächste Bahnhof war nur 10 km entfernt und eine S-Bahn hätte uns in 20 Minuten wieder zurück nach Leipzig gebracht. Enttäuscht packten wir also das sorgsam aufgebaute Zelt und das gesamte Equipment wieder ein. Unsere Wildcamping-Premiere hatten wir uns wahrlich anders vorgestellt.

Auf dem Weg zum Bahnhof packte uns aber der Ehrgeiz und zusammen mit Ragna hielt ich weiterhin Ausschau nach potentiellen Camping-Spots. Da bin ich unheimlich stolz auf Ragna, die ihre Unsicherheit scheinbar schnell ablegen konnte. Keine 5 km später fanden wir auch einen Platz, oberhalb einer Straße und versteckt hinter einer kleinen Baumgruppe. Die Lage direkt gegenüber des noch aktiven Tagebaus Profen sollte sich allerdings in der Nacht als etwas störend herausstellen.

ein Zelt auf einer Wiese
unser Zelt auf einer Wiese

Um es kurz zu machen: diesmal hat uns keiner verscheucht. Vereinzelt kamen Fußgänger und Autos den Weg entlang, wir grüßten freundlich und sie gingen ihrer Wege. Nach dem traditionellen Pastagericht aus unserem Trangia genossen wir im Zelt auf unserem iPad einen Film, Ragna hatte sich Vaiana gewünscht. Die Nacht war kühl (etwa 5 °C) und ich war froh, dass ich für Ragna noch zusätzlich zu ihrem Schlafsack meinen Sommerschlafsack mitgenommen hatte – sonst wäre es für sie zu kalt geworden. Der Lärm des nahegelegenen Tagebaus Profen machte mir allerdings zu schaffen, ich brauchte ein bisschen bis ich in den Schlaf fand.

Herrlich, auf dem Plan standen nur 50 km …

Am nächsten Morgen wachte ich dennoch erholt auf, Ragna schlief noch. Also schälte ich mich aus meinem Schlafsack und bereitete unser Frühstück vor – Eierkuchen, das hatte sich Ragna gewünscht. Erst nachdem ich meinen ersten Kaffee getrunken hatte erwachte auch Ragna. Wir frühstückten in der schon wärmenden Morgensonne und hatten alle Zeit der Welt. Herrlich, auf dem Plan standen nur 50 km und unsere „Unterkunft“ in Leipzig – unser Zuhause – war uns sicher.

Ein Zelt in der Morgensone auf einer Wiese
unser Zelt in der Morgensone auf einer Wiese

Nach dem Einpacken fuhren wir bergab ins Tal der Weißen Elster zur Elsteraue. Das freute besonders Ragna denn die Höhenmeter am Vortag hatten sie ein wenig frustriert. An der wild-mäandernden Weißen Elster fuhren wir durch Groitzsch und Pegau, vorbei am Zwenkauer und Cospudener See wieder nach Leipzig. Ein herrlicher Radweg den wir wohl nochmal genauer befahren werden.

Zuhause angekommen sind wir froh, dass unser erster Wildcamping-Versuch noch gut ausging. Mit einer schlechten Erfahrung im Hinterkopf hätte ich diese Tour nur sehr ungern beendet. Zumal wir uns auf Grund der Lage wohl noch längere Zeit auf wildes Zelten einstellen müssen.

Wer jetzt Angst davor hat beim Wildzelten erwischt zu werden: Azze, der Buschpirat hat ein kurzes Video mit Tipps für Anfänger veröffentlicht.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein