Fernbusreise mit Flixbus und Fahrrad

Erfahrungsbericht

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Fahrradmitnahme mit Flixbus (Foto: Flixbus)
Fahrradmitnahme mit Flixbus (Foto: Flixbus)

Jeder Radreisende kennt das Problem: wenn die Radreise nicht direkt im Heimatort beginnt muss man sich samt Fahrrad und Gepäck mit einem öffentlichen Verkehrmittel (Bahn, Bus, Flugzeug, Schiff) zum Startpunkt seiner Reise transportieren lassen. Bis jetzt war die Bahn immer unser bevorzugtes Transportmittel. Seit der Liberalisierung des Personenbeförderungsgesetzes in 2013 bauen Fernbusanbieter verstärkt ihre Verbindungen aus und bieten z.T. auch Fahrradmitnahme an. Lest hier, welche Erfahrung wir bei einer Fernbusreise mit Flixbus und Fahrrad machen konnten.

Ohne Umsteigen zurück in die Heimat

Für unsere große Sommer-Radreise in 2017 wollten wir uns entlang der Via Claudia Augusta von Mittenwald nach Trento bewegen. Die Hinfahrt ließ sich gut über eine Regionalbahnverbindung (Leipzig – Hof – München – Mittenwald) abdecken. Für die Rückfahrt aus Trento hätte das nicht funktioniert und ich hatte es versäumt mich rechtzeitig um Tickets für Fernzüge zu kümmern.

Ein kurzer Blick auf die Flixbus-Homepage sagte mir, dass es für unser Rückreise-Datum eine direkte Nachtbusverbindung von Trento nach Leipzig gab. Super, dachte ich mir, Rad und Gepäck in den Bus und dann ohne Angst und Sorge um Umstiege einfach nach Leipzig durchfahren. Der Preis von EUR 97 für 1 Erwachsenen, 1 Kind und 2 Fahrräder samt Gepäck schien mir fair und im Nu waren die Tickets für unsere Rückfahrt gebucht.

Los gehts!

Dann war es soweit: gefüllt mit Eindrücken der letzten 2 Wochen warten wir in Trento an der Haltestelle Lungadige Monte Grappa. Mit ein wenig Verspätung trudelt ein Doppelstock-Bus im charakteristischen Flixbus-Grün ein. Allerdings auf der anderen Straßenseite. Also das vorsorglich abmontierte Gepäck wieder auf den Drahtesel gehievt, mit Sack und Pack und Kind die Straße gequert und auf der anderen Straßenseite das Rad wieder vom Gepäck befreien.

Die Sache mit dem Gepäck

Nun gab es noch das Problem, dass wir pro Person jeweils nur 2 Reisegepäck- und 1 Handgepäckstück mitnehmen dürften. Auf Radreisen sind wir immer mit 2 kleinen Frontrollern, 2 großen Backrollern, 1 Packsack und 2 Lenkertaschen unterwegs. Hier habe ich einfach kurz vor dem Verladen die 2 kleinen und großen Taschen mit einem Zurrgurt zu einem Gepäckstück verbunden, sodass unser Gepäck mit insgesamt 3 Reisegepäckstücken verladen werden konnte. Die 2 Lenkertaschen nahmen wir als Handgepäck mit an Bord.

Dawai, dawai!

Die Begrüßung des Busfahrers ist weniger freundlich. »Dawai, dawai!« ruft er uns zu und will wohl damit die Verspätung nicht größer werden lassen. Als er merkt, dass zusätzlich zum Reisegepäck noch 2 Fahrräder zu verladen sind, kann ich sein genervtes Augenrollen fast schon hören. Bei Flixbus werden Fahrräder mit Hilfe eines Fahrradträgers, der sich hinten am Heck des Busses befindet, transportiert. Jedoch passt diese Halterung anscheinend nicht für Ragnas 18 Zoll Kinderfahrrad. Ragnas Fahrrad wird kurzerhand im Kofferaum befördert.

Fahrradmitnahme mit Flixbus (Foto: Laura Hoffmann, bbx.de)
Fahrradmitnahme mit Flixbus (Foto: Laura Hoffmann, bbx.de)

Eine Nacht im Flixbus

An Bord suchen wir uns 2 freie Plätze und ich stelle mich seelisch-moralisch auf das begrenzte Platzangebot der nächsten 12 Stunden ein. Über die Ausstattung kann man nicht meckern: der Bus ist angenehm klimatisiert, an den Plätzen gibt es Steckdosen, zudem gibt es Wifi und eine Toilette. Zu den 2 letzten Punkten kann ich nichts sagen, das haben wir nicht in Anspruch genommen. Die Rückenlehnen lassen sich leicht nach hinten verstellen, sodass zumindest in Ansätzen an Nachtschlaf zu denken ist.

Ragna hats gut, sie kann sich, ihr Kopf auf meinem Schoß, quer legen. Sie hört seit unserer Abfahrt in Trento Hörspiele. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass sie so abgelenkt ist, dass ihr nicht schlecht wird. Kurz hinter Insbruck werde ich müde und beginne meinen Nachtschlaf in 20-minütigen Etappen.

Abgesehen von den Haltepausen unterbricht der Bundesgrenzschutz (BGS) diese Fahrt 2x. Jedes mal werden die Pässe der einzelnen Mitfahrer kontrolliert und jedes Mal fischt der BGS eine Person heraus. Einzig Ragna wird nicht kontrolliert und bekommt die 2 Kontrollen dank ihres festen Schlafes nicht mit.

Fazit

Spürbar gerädert von der Nacht kommen wir kurz nach 6 in Leipzig an. In diesem Moment sage ich mir: “nie wieder!” Eine Busreise über Nacht lässt eben einiges an Komfort vermissen, an richtiges Schlafen ist hierbei nicht zu denken. Das liegt aber in der Natur der Sache und ist keinesfalls Flixbus anzulasten.

Die Fahrt war problemlos und (bis auf die Abfahrt) pünktlich, die direkte Verbindung ermöglichte ein unkomplizierte Rückfahrt. Nur das Personal sollte mehr auf Radreisende mit den speziellen Anforderungen ihres Fortbewegungsmittels bzw. Gepäcks sensibilisiert sein. Dazu gehört auch, dass mehr Zeit beim Verladen eingeplant werden muss wenn Fahrgäste mit Fahrrädern erwartet werden.

Ob wir nicht doch in Zukunft die eine oder andere Fernbusverbindung auf Radreise nutzen werden möchte ich nicht auschließen. Solange die Bahn ihr Kontingent an Fahrradstellplätzen in der Saison nicht grundlegend aufstockt, ist der Fernbus eine empfehlenswerte Alternative.

Welche Erfahrungen habt ihr beim Reisen mit Fernbus und Fahrrad? Über Kommentare würde ich mich sehr freuen!

1 KOMMENTAR

  1. Flixbus nie wieder.
    Im Juli 2018 von Mailand nach München Flixbus mit Radtransport gebucht.Es gab nur einen Fahrer der schnell das Rad auf den Träger festmachte und sofort losfahren wollte, da der Fahrer nicht alles im Blick haben konnte wurde mein Rad vor Abfahrt vom Träger des Busses gestohlen. Ich habe Anzeige erstattet und Flixbus gibt nur Roboterantworten. Habe jetzt einen Anwalt eingeschaltet um Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

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