Eine Transalp mit Fahrrad, komplettem Campinggepäck und einem 6-jährigen Kind? Klingt verrückt, aber das war der Plan für unsere große Sommertour 2017. Mit dem Zug sollte es von Leipzig über Hof und München nach Mittenwald gehen. Von dort ging es ins beschauliche Obern in der Leutasch. Der Inn sollte uns an die Via Claudia Augusta (eine der wichtigsten Römerstraßen der Antike, heute von vielen Reiseradlern zur Alpenüberquerung genutzt) und diese bis nach Landeck führen. Der nun folgende Reschenpass wäre mit Gepäck und Kind nicht zu bewältigen gewesen, weswegen uns ein Bus-Shuttle auf auf 1394 Höhenmeter nach Nauders bringen sollte. Durchs schöne Vinschgau wollten wir der Via Claudia Augusta über Meran und Bozen bis zu unserem Ziel nach Trento folgen. Eine direkte Nachtverbindung von Flixbus sollte uns schließlich wieder nach Mitteldeutschland bringen.
Ich hatte großzügig geplant: für die etwa 315 km hatten wir (mit An- und Abreise) 16 Tage Zeit, inkl. 4 Pausentagen. Dass unser Plan vollends aufging und dass dieses Teilstück der Via Claudia auch für Familien mit Fahrrad-Anfängern geeignet ist, könnt ihr in folgendem, ausführlichen Reisebericht nachlesen.

  • Reisezeit: 24. Juni–9. Juli 2017, 16 Tage
  • Distanz: etwa 315 km
  • Anreise: von Leipzig aus mit der Regionalbahn über Hof und München nach Mittenwald
  • Rückreise: Flixbus Trento – Leipzig (Nachtverbindung)
  • Route: Mittenwald – Obern (Leutasch) – Ötztal Bhf. – Landeck – Mals – Latsch – Meran – Bozen – Kaltern – Nave San Rocco – Trento – Lago di Caldonazzo


Via Claudia Augusta: Von der Donau über die Alpen an die Adria. (Bikeline), ISBN-10: 3850006271
Via Claudia Augusta: Von der Donau über die Alpen an die Adria. (Bikeline), ISBN-10: 3850006271

Leipzig – Mittenwald – Obern (Leutasch)

Mit einer Mischung aus Unsicherheit, Vorfreude und Fernweh wache ich am frühen Morgen unseres Abreisetages auf. Es ist diese Unsicherheit, die jeder Radreisende kennt, der schon mal mit der Bahn zum Startpunkt seiner Radreise gelangen musste. Weil ich nicht früh genug Tickets für die Fernzüge besorgt hatte blieb uns nichts anderes übrig als auf Regionalbahnen auszuweichen. Eine Verbindung mit 2 Umstiegen in Hof und München sollte uns nun nach Mittenwald bringen.

Ragna im Zug von München nach Mittenwald
Ragna im Zug von München nach Mittenwald

Nach der Devise »frühes Erscheinen sichert die besten Plätze« sind wir 30 Minuten vor Abfahrt im Zug, meine Strategie geht auf. Die Fahrt verläuft fast wie geplant und trotz des Sommerferien-Beginns in Sachsen sind die Züge nicht brechend voll. Einzig in München verpassen wir den Anschluss Richtung Mittenwald. Die 1h Wartezeit auf den nächsten Zug lässt sich jedoch leicht mit einem Eis auf dem Bahnsteig vertreiben.

unsere Ausrüstung im Zug von München nach Mittenwald
unsere Ausrüstung im Zug von München nach Mittenwald

Gegen 18:30 Uhr steigen wir in Mittenwald aus und schwingen uns sogleich auf unsere Sättel Richtung Leutasch. Wir kennen die Gegend. Unser Winterurlaub führt uns nun schon seit 3 Jahren in diese Region und es ist schön die vertrauten Ecken mal im Sommer zu erleben.
Kurz hinter Mittenwald steigt es rapide an, wir müssen schieben. Nachdem wir die Grenze Deutschland/Österreich passiert haben, rollt es wesentlich besser. Unser Plan beim Naturwirt zu essen geht leider nicht auf – Betriebsferien. Wir fahren weiter und essen im Hotel Xander in Kirchplatzl. Gegen 21 Uhr sind wir in Obern bei unserer Wirtin Miedl, quatschen noch ein bisschen und sind nach einem langen Tag gg. 22 Uhr im Bett.
Am nächsten Morgen schüttet es wie aus Eimern. Wir beschließen den Pausentag vorzuziehen und fahren ins Alpenbad. In Weidach essen wir Mittag in der Weidachstube und fahren an der Ache wieder zurück nach Obern. Im Winter ist dieser Gebirgsbach zugefroren und mit Eis und Schnee bedeckt. Abends essen wir in der Tiroler Stub’n und gehen mit der Vorfreude auf besseres Wetter und den kommenden Tag ins Bett.

Obern (Leutasch) – Ötztal Bhf.

beschauliches Obern
beschauliches Obern

Wir wachen bei Miedl auf. Das Wetter ist herrlich. Nachdem wir gefrühstückt, gepackt und gezahlt haben machen wir uns auf den Weg Richtung Telfs. Der kurze Anstieg nach Buchen hat es in sich, aber die 550 Höhenmeter während der Abfahrt nach Telfs entschädigen Alles. Anstrengend ist es dennoch. Schließlich muss ich mich, Ragna, 2 Fahrräder inkl. FollowMe und unser Gepäck sicher nach Telfs runterbringen. Ragna »hängt« im FollowMe, die 8 km Abfahrt kann sie wegen des starken Gefälles und des Verkehrs noch nicht allein bewältigen. Damit sich die Felgen nicht zu stark erhitzen müssen wir mehrmals Pausen machen, genießen aber die grandiose Aussicht ins Inn-Tal. Ragna bremst mit ihrer Rücktrittbremse und den Möglichkeiten ihrer kleinen Waden kräftig mit.

Blick nach Telfs
Blick nach Telfs
Abfahrt nach Telfs
Abfahrt nach Telfs

Wir durchfahren Telfs und essen in der Orangerie Stams. Ab jetzt begleitet uns der Inn getreulich, mal schmal und wild wie ein Gebirgsbach, mal breit und mit souveräner Ruhe. Wir halten an, baden unsere Füße im milchigen Gebirgswasser, welches so erfrischend-kalt ist, dass wir unsere Füße immer nur für wenige Sekunden eintauchen können. Wenige Kilometer später erreichen wir das Camping Center Oberland.

Apfelspielplatz bei Haiming
Apfelspielplatz bei Haiming

Der Abend wird unruhig, es gewittert. Es blitzt und donnert so stark, dass wir uns für kurze Zeit ins Sanitärgebäude flüchten. Es dauert bis sich das Gewitter verzieht und schließlich trauen wir uns wieder ins Zelt und schlafen wir ein.

Ötztal Bhf. – Landeck

Inn-Radweg bei Ötztal
Inn-Radweg bei Ötztal

Als wir aufwachen hat sich das Gewitter längst verzogen, es ist bewölkt aber halbwegs trocken. Nach dem Frühstück und dem Trocknen des Zeltes geht es los – immer am Inn entlang. Mal geht es bergauf, mal bergab, die Wegführung des Inn-Radweges führt in diesem Abschnitt aber immer sehr idyllisch durch Wälder, über Brücken und kleine Dörfer. Ein kleiner, blinder Passagier in Form einer Zecke erschleicht sich auf unserem Packsack eine Mitfahrt. Erleichtert, dass das kleine Tierchen nicht wie in Dänemark an meinem Oberschenkel hing, befördere ich sie wieder ins Gras.

Bachlauf am Inn-Radweg
Bachlauf am Inn-Radweg

Wir essen im Trofana Erlebnisdorf und landen wenige Kilometer später in Landeck bei Camping Riffler. Kurz vor Landeck passieren wir die Klamm Zammer Lochputz und nehmen uns vor den morgigen Pausentag für einen Besuch zu nutzen.

18%-Gefälle am Inn-Radweg
18%-Gefälle am Inn-Radweg

Am nächsten Morgen regnet es mal wieder, aber zum Glück müssen wir nicht abbauen. Der Regen lässt nach und machen wir uns auf zum Zammer Lochputz. Eine mystische Klamm mit viel Wasser und passender Sage. Wir essen (leider sehr teuer und nicht sonderlich gut) in Landeck und erkundigen uns wegen des Bus-Shuttles über den Reschenpass.

Landeck – Mals

Nauders
Nauders

Die Nacht ist mal wieder sehr feucht. Auch wenn unser Zelt uns sehr gut vor Nässe schützt, so langsam wird es auch von innen klamm. Wir fahren zum Bahnhof und warten auf den Bus der uns über den Reschenpass bringen soll. Nach dem Verladen von Gepäck und Rädern geht es los. Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Ragna wird ein bisschen übel, sie muss sich aber zum Glück nicht übergeben.

alpine Infrastruktur in Nauders
alpine Infrastruktur in Nauders

Angekommen in Nauders haben wir noch etwa 200 Höhenmeter bis zum Reschensee zu bewältigen. Das Wetter ist wechselhaft, der Wind kommt von vorn und wegen einer Husche gibt es kurz vor der Grenze zu Italien ein Zwangspause an einer Raststätte. Am frühen Nachmittag sind wir am Reschensee und essen im Restaurant Mein Dörfl. Nach dem Haidersee geht es 8 Kilometer stetig bergab – wir sind begeistert. An uns ziehen kleine, idyllische Bergdörfer vorbei und wir rollen förmlich bis auf den Campingplatz Camping Mals.

Hinab nach Mals (auf Höhe Burgeis)
Hinab nach Mals (auf Höhe Burgeis)

Mals – Latsch

Via Claudia Augusta bei Prad am Stilfserjoch
Via Claudia Augusta bei Prad am Stilfserjoch

Am nächsten Morgen ist das Zelt mal wieder nass und ich kann das Geräusch der Regentropfen auf dem Außenzelt langsam nicht mehr hören. Es hat die ganze Nacht geregnet. Ein Blick auf die Ortler-Gruppe mit ihren 4000er-Gipfeln zeigt wie kalt es in diesen Höhen gewesen sein muss – es gab Neuschnee. Ragna findet am Morgen für kurze Zeit eine Spielgefährtin. Marlene zeltet auch mit ihren Eltern, fährt (mit dem Auto) aber heute weiter zum Gardasee um dem feuchten Wetter zu entgehen. Wir machen das Gleiche und fahren weiter durchs Vinschgau Richtung Latsch.

Apfel-Selfservice bei Schlanders
Apfel-Selfservice bei Schlanders

Der Weg führt vorbei an mittelalterlichen Städtchen und durch kilometerlange Apfelplantagen. Unterwegs bieten kleine Selbstbedienungsstände div. Apfelprodukte an. Wir nehmen das Angebot gern an und erfrischen uns mit einem Schluck gut gekühltem, aromatischen Apfelsaft.
Der Campingplatz in Latsch ist leider mehr für Camper und Wohnwagen geeignet, wir vermissen eine schön grasbewachsene, weiche Zeltwiese. Aber es gibt einen Pool – sehr zur Freude von Ragna.

Latsch – Meran

Vor der Abfahrt an diesem Morgen hüpfen wir beide nochmal in den Pool. Das ist sehr erfrischend, denn das Abbauen des Zeltes kann selbst in den Morgenstunden sehr schweißtreibend sein. Der Weg nach Meran ist ein wenig eintönig, es geht viel geradeaus und es herrscht reger (Renn-)Radverkehr.

Blick nach Algund (Meran)
Blick nach Algund (Meran)

Kurz vor Meran schlängelt sich der Radweg in mehreren Kehren ins Tal hinab und die Strecke wird wieder schöner. Der Campingplatz »Campeggio di Merano« liegt direkt in Meran, auch er besitzt einen Pool (mit eigenem Rettungsschwimmer!). Abends regnet es mal wieder und wir genießen die Pizza im Zelt. Gut gesättigt und froh im Trockenen zu sein, kuscheln wir uns in unsere Schlafsäcke.

Pizza im Zelt auf dem Zeltplatz in Meran
Pizza im Zelt auf dem Zeltplatz in Meran

Wir erwachen am Morgen dieses Pausentages. Ragna beobachtet die anderen Reiseradler bei ihrer alltäglichen Morgenroutine und bemerkt ein wenig wehmütig: »Ich bin froh, dass wir einen Pausentag machen aber auch traurig, dass wir nicht weiterfahren.«

Wir nutzen den „freien Tag und besuchen die Gärten von Schloss Trauttmansdorff im Osten von Meran. Auf einer Fläche von 12 Hektar blüht und gedeiht es in über 80 Gartenlandschaften, in denen sich schon die Kaiserin Elisabeth von Österreich gern aufgehalten hat. Ragna äußert, dass es hier aussieht wie in einem Märchen – und da hat sie nicht ganz unrecht. Die weitläufigen Gärten umfassen Wasser- und Terassengärten, Kakteen-Tropengärten, Terrarien und die Besonderheiten der Südtiroler Landschaft. Das Schloss selbst beherbergt das Touriseum (Tourismus-Museum), welches sich umfassend und ausschließlich der Geschichte des Tourismus widmet.

Müde und voller Eindrücke verbringen wir den Rest des Tages auf dem Zeltplatz und genießen die warme Nachmittagssonne am Pool.

Meran – Bozen

Apfelplantagen
Apfelplantagen

Wir verlassen Meran bei sonnigem Wetter und verfahren uns erstmal zünftig. Nachdem wir einmal im Kreis gefahren sind, verpassen wir den entscheidenden Abzweig der uns auf einen Weg über die Anhöhe nach Bozen bringen soll, und fahren nun direkt am Etsch entlang. Das ist nicht minder schön, nur etwas monotoner. Der nachträgliche Blick auf die Karte zeigt uns aber, dass uns so einige Anstiege erspart geblieben sind. In Anbetracht der Hitze ist das vielleicht nicht die schlechteste Variante gewesen. Auf der Höhe von Gargazon verlassen wir den Etsch und fahren wieder durch nicht enden-wollende Apfelplantagen. Das Restaurant Pircher kurz vor Nals liegt wunderbar schattig – dort genießen wir eine ausgibige Mittagspause. Wir durchfahren Andrian und Sigmundskron (dort befindet sich übrigens Reinhold Messners Moutain Museum) und erreichen die westlichen Ausläufer von Bozen. Eine leider stark befahrene Straße führt uns zum Campingplatz Moosbauer.

Pool | Camping Moosbauer
Pool | Camping Moosbauer

Der traumhaft gelegene und biologisch-ökologisch geführte Campingplatz entschädigt für Strapazen und Schweiß des zurückliegenden Tages. Natürlich wird der wunderschön angelegte Pool von Ragna umgehend in Beschlag genommen. Ich baue derweil das Zelt auf, büße aber mehrere Heringe ein. Der biologisch-ökologische Ansatz des Platzes, den man nebenbei bemerkt auch gut bezahlt, beinhaltet leider keine weiche Zeltwiese. Ein nach Venedig radelndes Ehepaar aus Norddeutschland hilft uns mit Heringen und Hammer aus. Nach dieser schweißtreibenden Aktion geselle ich mich nun zu Ragna in den Pool. Selten ampfand ich ein Bad so erfrischend und revitalisierend. »Mein Tag« sollte es trotzdem nicht werden: wenig später stolpere ich über eine der Abspannleinen der sehr dicht stehenden Zelte. Auf dem steinigen Boden schlage ich mein Knie blutig. »Frau Dr. Ragna« kümmert sich liebevoll um mich und wir spielen bis in die Abendstunden hinein »Krankenhaus«.

Camping Moosbauer
Camping Moosbauer

Bozen – Kaltern

Am nächsten Morgen setzen wir unseren Weg in die Innenstadt von Bozen fort. Wir wollen ins Südtiroler Archäologiemuseum zum »Ötzi«. Die Dauerausstellung rund um die 5.300 Jahre alte Feuchtmumie erstreckt sich über 3 Etagen und bietet auch einen direkten Blick auf den »ledrigen Kameraden«. Ragna ist nicht ganz wohl dabei und findet es etwas gruselig.

Kalterer See
Kalterer See

Wir verlassen Bozen Richtung Süden und verpassen wieder den Abzweig zum wahrscheinlich etwas reizvolleren Höhenweg. Wir nehmen Vorlieb mit dem gut ausgebauten aber leider sehr monotonen Radweg am Etsch. Bei Kilometer 24 biegen wir westlich zum Kalterer See ab. Der Vorschlag des Navis hat aber den Berg (und damit etliche Höhenmeter), der uns vom Kalterer See trennt, völlig außer Acht gelassen. Nach dem Tipp eines hilfsbereiten Bauarbeiters umfahren wir den Denti di Cavallo. Der Weg zum Kalterer See zieht sich und wartet kurz vor Tramin zudem mit einem kurzen aber knackigen Anstieg auf. Nicht nur weil die Trinkwasservorräte langsam zur Neige gehen sind wir erleichtert als wir den Campingplatz St. Josef am Kalterer See erreichen. Wir erfrischen uns am Badesteg und Ragna traut sich mit mir sogar ins »tiefe« Wasser.

Campingplatz St. Josef am Kalterer See
Campingplatz St. Josef am Kalterer See

Kaltern – Nave San Rocco

Tramin
Tramin

Dieser Tag sollte, zumindest den gefühlten, Hitzerekord aufstellen. Wir lassen den Kalterer See hinter uns und erreichen das idyllisch gelegene Weindorf Tramin. Der Dorfbrunnen dient uns als willkommene Erfrischung. Unsere Buffs, die an diesem Tag als Sonnenschutz Gold wert sind, dienen uns mit Wasser getränkt als »Klimaanlage«. Die Landschaft wandelt sich, die Berge erreichen keine alpinen Höhen mehr, Klima und Vegetation werden zunehmend mediteraner, und die Apfelplantagen weichen den Weinreben. Die allgegenwärtigen »Marterl« mit »Lattengustl« sind nun auch von Palmen gerahmt. Am frühen Nachmittag führt die Hitze dazu, dass uns als Mittagessen 1 Liter Wasser und ein großes Eis in Mezzocorona vollkommen ausreichen.

Etsch-Radweg
Etsch-Radweg

Wir fädeln uns über Mezzolombardo und San Michele all’Adige wieder zum Etsch und erreichen in Nave S. Rocco den wohl skurrilsten Campingplatz unserer Reise. An der »Albergo Camping Moser« begrüßt uns überschwänglich eine typisch italienische Mama. Der kleine Platz macht zunächst einen guten Eindruck, die Sanitäranlagen sind neu und sauber. Komisch ist nur, dass wir die Einzigen auf dem Platz sind. Später gesellt sich noch ein Pärchen im Wohnwagen dazu. Nach einer Weile bemerke ich jedoch dass die Lage zwischen einer Bundesstraße und einer Bahnlinie keine ruhige Nacht verheißt. Und als ob dies nicht schon genug ist, wird in der naheligenden Bar lautstark bis tief in die Nacht gefeiert. Ragna scheint das nicht zu stören, sie schläft während ich noch lange wach liege.

Albergo Camping Moser
Albergo Camping Moser

Nave San Rocco – Trento – Lago di Caldonazzo

Eine sehr kurze Etappe erwartet uns. Lediglich 18 Kilometer sind heute zu bewerkstelligen. Zudem ist es die letzte Etappe dieser Reise. Nach nur wenigen Pedalumdrehungen erreichen wir Trento. Ragna scheint ein wenig enttäuscht ob der Kürze dieser Etappe. Da es in und um Trento keine Campingplätze gibt müssen noch weiter ins östlich von Trento gelegene Valsugana zum Lago di Caldonazzo. Wir wollen aber den Zug nehmen, da wir sonst 400 Höhenmeter überwinden müssten – nahezu unmöglich mit vollbepacktem Rad und einer 6-Jährigen.
Der Bahnhof in Trento ist schnell gefunden, eine Schlange zum Anstellen auch. Die Auskunft die wir bekommen ist allerdings ernüchternd: es fährt kein Zug ins Valsugana. Der Schalterbeamte gibt uns zu verstehen, dass wir es am Busbahnhof versuchen sollen. Dort angekommen ist auch schnell ein Busfahrer zum Fragen gefunden, auch diese Auskunft ist ernüchternd: die Busse mit Radtransport ins Valsugana fahren nur am Wochenende. Es ist Donnerstag und ich sehe mich schon die 400 Höhenmeter bei Mittagshitze und Ragna im Schlepptau fahren. Aber nein, aufgeben kommt noch nicht in Frage und ich schildere unser Problem einem der Ticketverkäufer der an einem der der Busse steht. Er scheint die Misere verstanden zu haben, hält eine kurze Unterredung mit seinem Busfahrer und gibt uns zu verstehen, dass er uns mitnehmen kann. Die Räder werden kurzerhand vom Gepäck befreit, in den Kofferraum verladen und wenig später sitzen wir in einem Bus der uns nach Pergine bringt. Von dort sind es nur 4 Kilometer zu unserem Zeltplatz in San Cristoforo am Lago di Caldonazzo.

Camping San Cristoforo
Camping San Cristoforo
Camping San Cristoforo
Camping San Cristoforo

Glücklich und zufrieden erreichen wir den Camping San Cristoforo. An der Rezeption schlucke ich innerlich kurz: der Stellplatz für ein Zelt kostet 35 Euro pro Nacht – das ist reichlich für ein Stück Wiese samt Gemeinschaftsdusche. Aber egal, wir suchen uns ein schönes Plätzchen und Treffen das nette norddeutsche Pärchen vom Moosbauern wieder. Die erzählen von ähnlichen Problemen am Bahnhof, haben aber die aufschlussreiche Information bekommen, dass die Zuglinie auf Grund von Bauarbeiten z. Zt. nicht fährt. Wir gehen zusammen Pizza essen, quatschen viel und genießen das sommerliche Wetter. Den Nachmittag genießen wir, sehr zur Freude von Ragna, am Pool. Sie traut sich jetzt sogar vom Rand ins Becken zu springen. 😉
Den nun folgenden freien Tag nützen wir ausgiebig für Müsiggang und halten uns vorwiegend am Pool und am Lago di Caldonazzo auf.

San Cristoforo | Lago di Caldonazzo
San Cristoforo | Lago di Caldonazzo

Lago di Caldonazzo – Trento – Leipzig

Unser letzter Tag, mit ein wenig Wehmut bauen wir an diesem Morgen uns Zelt ab. Obwohl unser Bus erst 19:15 Uhr in Trento abfährt, entscheiden wir uns für die morgendlich Abfahrt. Das Bezahlen fällt mir heute allerdings schwer: EUR 35/Nacht für ein Stück Wiese und Gemeinschaftsduschen. Gut, auf dem Gelände des Camping San Cristoforo gibt es einen Pool, aber für reichlich EUR 10 mehr hätte man sich eine günstige Pension oder ein Hostel mit Frühstück bekommen.

Civezzano
Civezzano

Aber egal, wir steigen auf die Räder und fahren Richtung Trento. Laut Höhenprofil geht es tendenziell bergab und die Unsicherheiten des Radtransportes mit Bus und Bahn 2 Tage zuvor sind mir noch deutlich in Erinnerung. Die Sonne brennt an diesem Tag mal wieder gnadenlos heiß, aber das sind wir mittlerweile schon gewohnt. In Civezzano will uns das GPS auf einen schmalen Wanderpfad schicken, aber mit Hilfe von Papierkarten und eines ital. Ehepaars finden wir schnell wieder auf den rechten Pfad.

Trient | Castello del Buonconsiglio
Trient | Castello del Buonconsiglio

Da wir schon kurz vor Mittag Trento erreichen, entscheiden wir uns das Castello del Buonconsiglio zu besuchen. Aber wohin mit den Rädern samt Gepäck? Ein Gebüsch leistet wertvolle Dienste und wir betreten das Castello in der Hoffnung später unsere Ausrüstung wieder komplett aufzufinden.
Die umfangreichen Sammlungen des Museo Provinciale d’Arte und des Museo Storico sind beeindruckend. Ich muss aber zugeben, dass bei den herrschenden Außentemperaturen die angenehm temperierten Museumsräume ausschlaggebend für den Besuch waren.

Bis zur Abfahrt unserer Flixbus’ halten wir uns im schönen, schattigen Schlossgarten auf. Später ziehen wir noch zum Parco Fratelli Michelin – dort gibt es sehr zur Freude von Ragna einen Spielplatz.
Mit ein wenig Nervosität erwarten wir die Ankunft unseres Flixbus’, der uns (ohne Umsteigen) von Trento nach Leipzig bringen soll. Das Reisen mit Fahrrädern per Fernbus ist für uns eine Premiere, zudem ist es Ragnas erste Nachtfahrt mit dem Bus.

Welche Erfahrungen wir beim Reisen mit Flixbus und Rad gemacht haben habe ich in einem extra Artikel niedergeschrieben, um den Rahmen dieses Reiseberichtes nicht zu sprengen.

Spürbar gerädert von der Nacht kommen wir kurz nach 6 in Leipzig an. Zum Glück hat der Lukasbäcker am Augustuplatz am Sonntag um diese Zeit schon auf. Dort frühstücken wir ausgibig und lassen die letzten 2 Wochen, samt deren Erlebnissen ausgibig ausklingen.

Fazit

Das Radeln auf diesem Teilstück der Via Claudia Augusta ist wunderschön und wie bereits Eingangs beschrieben auch für durchschnittlich trainierte Familien mit Kindern gut geeignet. Es gibt für nahezu alle Pässe Bus-Shuttles. Die Wege sind fast ausschließlich asphaltiert. Fährt man nicht auf Radwegen dann auf ruhigen Landstraßen. Nur in der Nähe größerer Ballungsgebiete und Städte kann es Straßenpassagen mit viel Verkehr geben.
Die zu durchfahrenden Regionen sind auf Touristen und Reiseradler eingestellt – in regelmäßigen Abständen finden sich Campingplätze, Restaurants und Gaststätten. Nur in der Region um Trento sind Campingsplätze erstaunlich rar gesät. Das Reisebudget wird in dieser Region allerdings nicht geschont – bis zu EUR 35 kann man für eine Nacht auf einem Campingplatz ausgeben. Dafür sind die meisten Plätze aber gut ausgestattet und besitzen sogar einen Pool.
Kurzum: das Radeln durch die atembraubende alpine Landschaft samt ihrer 2000-jährigen kulturhistorischen Geschichte ist für alle ein beeindruckendes Erlebnis.

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